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  • Ruby schreibt

Augen

Diese traurigen Augen. Alle kamen hier rein in diesen Raum, der nicht seiner war, und schauten ihn mit diesen traurigen, rotgeweinten, nassschwimmenden Augen an. Er hasste es! Er hasste jede Sekunde davon. Und Sekunden hatte er nicht mer viele auf dieser Welt. Es war eine Frage von vielleicht noch ein paar Stunden bis das Leben ihn verlassen würde. Er spürte, dass er es nicht mehr lange festhalten konnte. Seine Kräfte schwanden. Er wollte nicht. Er wollte nicht sterben. Er wollte nicht aufhören zu sein. Er wollte nicht um Luft ringen und spüren wie sein Herz in seiner Brust versagte. Er wollte diesen Schmerz nicht. Aber vor allem wollte er nicht von all diesen Menschen seines Lebens mit diesen unendlich traurigen Augen angesehen werden. Dann sollten sie doch lieber wegbleiben. Lieber würde er seine letzten Stunden, Minuten, Sekunden mit einer gleichgültigen Krankenschwester, die noch einen derben Scherz auf den Lippen hatte, verbringen als seine schnell verrinnende Zeit mit Traurigkeit. Es war doch sein Leben! Der letzte Rest davon. Ein Kloß aus Panik und Wut wuchs in seiner Brust.

„SCHAUT MICH VERDAMMTE SCHEIßE NOCHMAL NICHT SO AN!!!!“

Die umstehenden und neben ihm sitzenden Freunde und Verwandten rückten alle simultan näher um das Röcheln, das von seinen Lippen aufstieg, besser zu verstehen. Eine Hand legte sich auf seinen Arm. 

„IHR SOLLT MICH VERDAMMTE SCHEIßE NOCHMAL NICHT SO ANSCHAUEN!“ 

Doch die Worte kamen nicht mehr raus. Er war schon längst seines Körpers enthoben und entfernte sich weiter und weiter von den traurigen Augen, die er zurückließ.


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