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Hassans bester Freund (Teil 3)

Später als wir uns nach der Schule und dem Vorfall in Chemie über Müllbergen saßen, die eben noch unser McBurger Menü beinhaltet hatten, vermieden wir das Thema die ersten 20 Minuten, aber irgendwann hielt ich es nicht mehr aus. „Hassan.“ flüsterte ich verschwörerisch über den Tisch, obwohl wir ganz allein hier waren. „Das vorhin. Das mit Meick. Das warst doch du?“

Hassan schaute aus seinen tiefschwarzen Augen unsicher zu mir rüber. „Bitte verrat niemanden etwas, ja?“ flehte er. „Natürlich nicht!“ Absolutes Ehrenwort, ich hatte einen Freund mit Superkräften. Den Teufel würde ich tun, den coolsten aller Kumpels zu verraten. „Hast du das gemacht, weil er über deine Mutter...“

Hassan entspannte sich wieder etwas und lehnte sich zurück an die Stuhllehne. Mit der linken Hand spielte er mit den Plastikstrohhalmen auf seinem Tablett. „Nein, eher wegen dir. Als ich gesehen hab, wie er dich schlug...da..“ Eine Woge der Rührung durchfuhr mich. Hassan. Ich hatte einen Kumpel mit Superkräften und er beschützte mich. Gab es etwas Cooleres?

„Ich weiß es ist schlimm, was er über meinte Mutter sagt.“ setzte er nachdenklich fort. „Aber es regt mich nicht auf. Auch wenn es mich aufregen sollte. Ich erinnere mich nicht an meine Eltern.“ Ich war erstaunt. „Bist du nicht bei Ihnen aufgewachsen?“ „Nein, Jonas. Du verstehst nicht. Ich bin bei ihnen aufgewachsen. Ich erinnere mich an das Haus, in dem wir gewohnt haben. An unseren Garten. An unsere Katze. An die Großeltern und Tanten, die uns so oft besucht haben. Aber ich erinnere mich nicht an sie. Da ist einfach eine große Leere. Und je mehr ich versuche, mich darauf zu konzentrieren, desto weniger habe ich eine Ahnung, wer meine Eltern eigentlich waren. Wie sie waren. Oder überhaupt, wie sie aussahen. Da ist absolut nichts.“

Das war das Persönlichste, was Hassan und ich jemals miteinander ausgetauscht hatten. Beschämt blickten wir wieder unsere Burgerverpackungen an. „Findest du nicht auch, dass Saskia das schönste Mädchen unserer Schule ist....“ versuchte ich zaghaft das Thema zu wechseln. Hassan schluckte und sah mich erleichtert an. „Ja.“ strahlte er. „Ja, das ist sie.“



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